Aktuell im Zoo Basel

Ein ganz spezieller Fall von Brutpflege ist derzeit im Vivarium zu sehen: Ein Fisch ohne deutschen Namen, Bujurquina oenolaemus, fährt mit seinen Kindern regelrecht Schlitten. Brutpflege bei Fischen ist sehr vielfältig und reicht von einer einfachen Laichgrube bis zur Maulbrut; bei Säugern und manchen Fischen sogar bis zur Lebendgeburt.

Der «Bujurquina-Buntbarsch» aus Bolivien geht bei der Fortpflanzung ganz eigene Wege. Das Weibchen legt bis zu 400 Eier, die es am Flussgrund auf abgefallene Laubblätter klebt. Zunächst suchen die Buntbarsch-Eltern ein Blatt aus und säubern es gründlich. Das hat seinen Grund: Die Eier selbst sind klebrig und haften beim sorgsamen Ablegen und gleichzeitigen Befruchten sofort auf dem «sauberen» Untergrund. Derart fixiert können die Eier bestens bewacht werden und sie werden von der Strömung nicht weggetragen. Gleichzeitig bleiben die Eier mobil: Droht Ungemach, zum Beispiel in Form eines Fressfeindes, packen die Bujurquina-Buntbarsche das mit Eiern bepackte Blatt und machen sich damit aus dem Staub. Fast sieht es aus wie ein fröhlicher Familienausflug mit Kinderwagen oder Schlitten.

Eine aussergewöhnliche Art, seine Brut-Winzlinge zu schützen

In Tat und Wahrheit ist dies eine bei Fischen einzigartige Verhaltensweise! Nach wenigen Tagen haben sich die Eier so weit entwickelt, dass winzige Larven schlüpfen. Noch haben sie einen grossen «Sack» voll Dotter als Nahrungsreserve unter dem Bauch. Die Eltern kümmern sich nun noch intensiver um die Brut: Sie beobachten die Winzlinge und nehmen sie ins Maul. Dort sind sie vor hungrigen anderen Fischen geschützt und können in Mutters Maul heranwachsen, bis sie selbständig geworden sind!

Der Bestand ist vermutlich gefährdet

Die Bujurquina-Buntbarsche wurden 1977 von König Leopold III. von Belgien (!) entdeckt und erst 1987 wissenschaftlich beschrieben. Sie kommen bloss in einem kleinen Verbreitungsgebiet in Bolivien vor und sind in ihrem Bestand vermutlich gefährdet. Die DCG (deutsche Cichliden-Gesellschaft) hat deshalb ein Arterhaltungs-Programm ins Leben gerufen. Mit Ausnahme weniger lebendgebärender Arten legen alle Fische Eier. Meist werden die Eier einfach ins Wasser abgegeben –  und dann sich selbst überlassen. Ohne Schutz werden die allermeisten dieser Eier und die später schlüpfenden Jungen gefressen. Deshalb produzieren Arten ohne Brutpflege eine grosse Anzahl Eier. Je mehr Eier gelegt werden, desto grösser ist die Chance, dass einige wenige sich bis zu einem erwachsenen Fisch entwickeln können. Andere Arten investieren in ganz unterschiedliche, zum Teil exotische Formen von Brutpflege. Je intensiver die Brutpflege gestaltet ist, desto höher ist der Fortpflanzungserfolg und desto weniger Eier müssen gelegt werden.

Die verschiedenen Brutpflegeverhalten

Fische zeigen eine unglaubliche Fülle von verschiedenem Brutpflegeverhalten: Lachse und Forellen heben im Flussboden flache Gruben aus, in welche die Eier abgelegt werden und worin sie befruchtet werden - und wo sie sich danach alleine weiterentwickeln. Skalare «montieren» selbstklebende Eier an Wasserpflanzen; danach bewachen und reinigen sie diese dauernd. Schneckenbuntbarsche ziehen ihre Jungen in leeren Schneckenhäuschen auf und Kardinalfische brüten die nur wenigen Eier im Maul aus.

Die Bujurquina-Buntbarsche sind im Aquarium 34 zu sehen und Dutzende weiterer Brutpflegebeispiele lassen sich in den anderen Aquarien im Zolli jederzeit entdecken!